Geschichte als Experiment

Unsere Darstellung soll einen möglichst authentischen Eindruck des Lebens im antiken Rom vermitteln. Dazu bedienen wir uns der Schriften und Abbildungen, die aus der Antike überliefert sind. Dabei treffen wir aber immer wieder auf Schwierigkeiten. Viele Texte stammen von Autoren, die Jahrhunderte nach den Ereignissen gelebt haben, über die sie berichten. Oft bleibt auch offen, woher die damaligen Geschichtsschreiber ihre Informationen bezogen haben. So schrieb Tacitus ein umfassendes Werk über die Germanen, ohne jemals Germanien bereist zu haben.

Ebenso kritisch müssen wir mit den Abbildungen aus der damaligen Zeit umgehen. Zwar haben wir mit den Reliefs der Trajansäule (siehe Abbildung links) eine umfassende Darstellung des Alltags der Legionäre. Doch sollte nicht vergessen werden, dass es sich um ein Propaganda-Werk handelt, welches eine idealisiertes Bild der Truppen für die Bürger in Rom liefert. Archäologische Funde belegen, dass die Ausrüstung keinesfalls so ordentlich und uniform war, wie Kaiser Trajan es uns glauben lassen möchte. Es geht bei solchen Werken oftmals nicht darum, ein originalgetrues Abbild der damaligen Zeit zu liefern, sondern eine bestimmte Botschaft zu vermitteln.

Für uns bedeutet das, dass wir zwar auf diese antiken Quellen zurückgreifen, diese aber kritisch bewerten. Wir gleichen die Quellen mit den archäologischen Befunden ab und versuchen so ein vollständigeres Bild der Zeit im antiken Rom zu gewinnen.

An vielen Stellen fehlt es aber auch schlicht an Informationen. Hier entsteht der experimentelle Teil der experimentellen Archäoligie. Caesar behauptet, mit seinen Truppen täglich 30 – 40 km zurückgelegt zu haben. Ist das in Rüstung und mit Gepäck möglich? Man muss es ausprobieren!
Vitruv beschreibt, wie man eine Balliste baut. Kann man nach seinen Vorgaben tatsächlich ein Geschütz konstruieren? Man findet es nur heraus, indem man es versucht!

Wir sehen Geschichte als Experiment. Deshalb haben wir über die Jahre eine Reihe solcher Versuche unternommen.